Vor 75 Jahren endete der zweite Weltkrieg


Nachdem nationalistische Egoismen zwei verheerende Weltkriege möglich gemacht hatten, kehrte mit der europäischen Einigung anhaltender Frieden in Europa ein.

Die Politiker, die damals am Friedensprojekt Europa mitwirkten, hatten zu großen Teilen selbst Angehörige im Krieg verloren.
Der französische Außenminister Robert Schumann formulierte am 9. Mai 1950 die europäische Idee: Die europäischen Staaten sollten wirtschaftlich so stark zu einer Gemeinschaft im Dienste des Friedens verbunden werden, dass Kriege zwischen ihnen nicht mehr möglich sein würden.

Die Europäische Einigung begann mit dem Vorläufer der heutigen EU, der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl im Jahr 1951. Hier kam es zur nationenübergreifenden Zusammenarbeit in den kriegswichtigen Industrien Kohle und Stahl, die von da an von gemeinsamen europäischen Behörden verwaltet wurden. Diese historische Übereinkunft von 6 Nationen markierte den Beginn des Wandels weg vom Nationalismus, hin zur Kooperation in Europa.


Die Ausdehnung des Integrationsmodells auf Wirtschafts- und Handelspolitik sowie Atomenergie im Rahmen der Römischen Verträge im Jahr 1957 wirkte vertrauensbildend und schuf gegenseitige Abhängigkeiten. Man lernte sich besser kennen und erwarb Verständnis für die jeweiligen Positionen der Anderen. Im Verlauf der darauf folgenden Jahre konnten im Rahmen der gemeinsamen Zusammenarbeit erhebliche Wohlfahrtsgewinne erzielt werden, was nicht unerheblich zur Akzeptanz durch die Bürger und somit zum Gelingen weiterer Integrationsschritte beitrug.

Es spielten sich Konfliktlösungsmechanismen auf der Basis argumentativen Meinungsaustausches unter Freunden im Rahmen gemeinsam geschaffener Institutionen ein.


Insbesondere gemeinsam gepflegte Werte spielten und spielen immer noch eine große Rolle bei der Entwicklung der EU und dabei insbesondere der Friedenssicherung. Die Mitgliedsstaaten der EU verpflichteten sich auf die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit, die Wahrung der Menschenrechte und den Schutz von Minderheiten.


Aus Erzfeinden wurden Freunde. Mittlerweile erscheint ein gewaltsamer Konfliktaustrag zwischen Mitgliedstaaten der EU undenkbar. Die EU gilt nicht zu unrecht als herausragendes Friedensprojekt. Die Verleihung des Friedensnobelpreises 2012 an die EU betonte diese Errungenschaft des gemeinsamen Wirkens der europäischen Nationalstaaten noch einmal.


Die Europäische Union hat einen großen Anteil daran, daß es in Europa noch nie eine so lange Friedenszeit gab, wie wir sie bis heute erleben dürfen.

Die EU ist jedoch kein Selbstläufer. Was einst als von den Eliten geschaffenes wirtschaftliches Projekt begann und sich zu einer umfassenden Friedens-, Wirtschafts- und Wertegemeinschaft weiterentwickelt hat, bedarf weiterer demokratischer Reformen, welche ohne die Unterstützung und auch kritische Begleitung von uns Bürgern kaum denkbar sind.

Die EU ist unser Aller Projekt. Was können wir also beitragen, um diese friedensstiftende und nicht ganz unempfindliche Pflanze am Leben zu erhalten und bestenfalls zu voller Blüte zu bringen?


Wir können zunächst daran arbeiten, die Gefahren für unsere Friedens- Wirtschafts- und Wertegemeinschaft zu erkennen, um diesen möglichst frühzeitig entgegen zu wirken. Daneben ist konstruktive Kritik und Beteiligung an demokratischen Prozessen durch uns Bürger unverzichtbare Voraussetzung für eine positive Entwicklung unserer EU. 


Die Komplexität der EU ist gleichzeitig Schwachstelle und Qualitätsmerkmal. Schwachstelle, da die komplexen Prozesse der Interessenabstimmung und Entscheidung viel Zeit benötigen, oft nur Lösungen auf Basis des kleinsten gemeinsamen Nenners darstellen und für den Bürger nur wenig transparent sind. Qualitätsmerkmal, da es sich um ein auf demokratischem Boden gewachsenes System des Interessenausgleichs handelt, in dem sich die Institutionen gegenseitig kontrollieren.


Solange sich die europäischen Nationen nicht auf Reformen im Hinblick auf eine handlungsfähigere, weniger komplexe und damit transparentere EU einigen können, ist weiterhin viel Aufklärungsarbeit nötig, um den Bürgern den Wert der Gemeinschaft nahe zu bringen.


Neben der Komplexität des Aufbaus und der damit verbundenen Schwerfälligkeit und Intransparenz der Entscheidungsprozesse in der EU, stellen nationale Egoismen die größte Gefahr für den Fortbestand und die Weiterentwicklung der EU dar.


Obwohl mittlerweile fast jeder Bürger begriffen hat, daß die wesentlichen Probleme unserer globalisierten Gesellschaft nicht mehr allein auf nationaler Ebene, sondern nur noch gemeinsam gelöst werden können, gehen die Menschen weiterhin Politikern auf den Leim, die den Nationalismus als Heilmittel propagieren. 


Zu leicht erntet derjenige Politiker Zuspruch, der Misserfolge der EU zuschreibt und seinen Wählern Scheinlösungen auf egoistisch-nationaler Basis präsentiert. 


Insbesondere junge Menschen, denen das gemeinsame Wirken der europäischen Nationen von der Geburt an ein Leben in Frieden, Freiheit und relativem Wohlstand ermöglicht hat, sind oft fasziniert von den Heilsversprechungen nationalistisch orientierter Politiker. 


Anscheinend erscheint der Schrecken des Krieges kleiner, je länger er zurück liegt. Aufklärung und Bildungsförderung sind Aktivitäten, die zum Erkennen der Gefahren für Demokratie und Frieden beitragen.


Als Bürger sind wir nicht ohnmächtig unserem Schicksal ausgeliefert. Jeder noch so kleine Beitrag zählt, um unsere Zukunft zum Besseren hin zu beeinflussen. In der EU haben wir die Möglichkeit, uns ohne Gefahr für Leib und Leben für eine bessere und vor allem eine friedliche Gesellschaft einzusetzen. Es wäre zu schade, wenn wir diese günstige Ausgangsposition nicht nützen würden.


Es liegt an uns, ob auch zukünftige Generationen weiter Friedensjubiläen in Europa feiern dürfen.

Als Gemeinschaft Viersener Bürger, die eine funktionsfähige EU für unverzichtbar zur Bewahrung des Friedens in Europa halten, freuen wir uns über weitere Mitstreiter.